Suche
  • Anja Willing

Mai in Changchun

Unser erster Hochzeitstag


An unserem ersten Hochzeitstag (Standesamt) haben wir uns gegenseitig überrascht. Ich Denny mit einem selbst gebackenen Schokoladenherzkuchen und Denny hat mich mit einem riesigen Blumenstrauß überrascht. Ähnlich wie in Deutschland bei Fleurop oä. kann man hier über eine App Blumen bestellen. Die werden dann aber nicht von der Post verschickt, sondern von einem Mopedfahrer direkt an die Haustür gebracht. Die App heißt eigentlich Meituan. Allerdings mit einem Bild von einem Känguru drauf. Also heißt sie bei uns nur KänguruApp und Kängurumänner bringen die bestellten Sachen. Blumen, Essen oder auch Apothekenbestellungen, geht alles und das in relativ kurzer Zeit. Das ist etwas, was ich glaube in Deutschland vermissen werde. Bestellt man dort, wartet man auf die Post oder auf den Essenliefermann, da jedes Restaurant seinen eigenen Lieferanten hat. Hier funktioniert das anders: Das Känguru, das nah am Abholort ist, nimmt die Bestellung an und liefert sie aus. Fertig.

Auf Hainan haben wir uns sogar Eisbecher an den Strand liefern lassen. Suuuper!!


Erster Mai

Über unser langes Mai Wochenende sind Denny und ich das erste Mal mit dem Dachzelt los. Das Auto voll bis unters Dach mit Kitezeug und SUP’s sind wir an einen See ca. 1,5h von Changchun entfernt gefahren.

Dort hat auch der Kiteclub seinen Sitz. Wir sind aber nicht auf das Grundstück gefahren, sondern haben uns in der Nähe einen schönen Platz gesucht. Der See ist wirklich riesig. Fast 30 km lang und an der breitesten Stelle bis zu 10 km. Ein Teil des Ufers ist als eine Art Naturschutzgebiet deklariert. Bei unserer Ankunft wurden wir von, wir glauben es waren Feuerwehrleute, angehalten. Man gab uns einen Zettel mit chinesischer Schrift drauf und winkte uns durch. Später haben wir den Zettel mit Hilfe von Handy und Übersetzungapp übersetzt. Von Mitte April bis Mitte September ist Waldbrandgefahr. Offenes Feuer wie Zigaretten, Grillen oder ähnliches ist verboten und wird hart bestraft. Unser Steak, das wir in der Kühlbox hatten, musste also warten. Froh über unseren Nudelsalat haben wir gegen Nachmittag unser Zelt aufgeklappt. Gurte lösen, Deckel hoch, Treppe raus – FERTIG. Zeitaufwand ca. 5 min. Gut, zusätzlich noch das Bettzeug einräumen und so, aber wirklich schnell und stabil.


Ein wenig müssen wir noch optimieren, die Matratze ist doch bissl dünn (morgens wusste ich nicht mehr auf welcher Seite ich liegen soll) und ein Blick auf den Wind für den kommenden Tag muss auch bedacht werden bei der Stellplatzsuche.

Baut man das Zelt wieder zusammen, klappt man die Treppe ein, steckt die Zeltplanen in die Seiten und schließt den Deckel. Wie in jedem Zelt sammelt sich aber über Nacht Feuchtigkeit, die muss man noch abtrocknen lassen vor dem Einpacken.

Was uns allerdings wirklich verwundert hat ist der Totenkult dort in der Ecke. Auf Hainan haben wir auch mal einen Friedhof gesehen, hier in und um Changchun noch nicht. Am See allerdings werden die Toten im Wald begraben. Es scheint, als ob die Familien für die/ den Verstorbenen den schönsten Platz im Wald suchen. Dann graben sie ein Loch, legen den Toten rein und schaufeln einen riesigen Berg Sand oben drauf. Danach wird das Ganze mit Folienblumen und Plasteflitter behängt/ bestreut. Also Plaste und so Glitzerzeug, was inzwischen vor den meisten Standesämtern verboten ist. Das fliegt da im Wald rum. Manchmal hängen die Angehörigen auch noch einen Solarlautsprecher in die Bäume um den Toten mit Musik zu beschallen. An wirklich jeder Ecke findet sich so ein Haufen. Und immer mit TOP-Aussicht auf den See.

Nach unserem Ausflug ist folgendes in unserem Taobao-Einkaufskorb gelandet: Ein Zigarettenanzünder-Wasserkocher. Da offenes Feuer nicht erlaubt ist, können wir uns dann so wenigstens Kaffe kochen. Dennys Idee, ein Gerät zu bestellen, das unseren Elektrogrill mit Strom von der Autobatterie betreibt ist gut, aber in der Durchführung nicht machbar. Das Gerät passt zwar ans Auto, liefert aber für einen Steckdosengrill mit gemesennen 1700 Watt zu wenig, obwohl es mit 2000W Dauerleistung und 4000W Spitzenleistung beworben wurde. Grundsätzlich hat der Stromumwandler funktioniert, nur war er nach einer Minute heißer als der Grill und ging danach auf Überlast. Vielleicht wird es nun doch ein Cmaping-Gasgrill, der hat zwar auch offenes Feuer, hat aber quasi keine Rauchentwicklung und sollte somit nicht auffallen.


Auf unserer Rückfahrt haben wir eine Schlange gesehen:

Vorsichtig sind wir mit dem Auto daneben gerollt und haben nach draußen fotografiert. Keine Ahnung ob die hier giftig sind oder nicht, austesten wollten wir das jedenfalls nicht. Die war auch bestimmt 50-70cm lang. Also größer als jede Blindschleiche oder Ringelnatter die ich bisher gesehen habe


Frühstücksrunde

Letzte Woche hatte ich die Frühstücksdamen zu Besuch. Dies ist eine Gruppe von Frauen, die NICHT im dt. Dorf wohnen und sich 1x im Monat zum Frühstück treffen. Die Reihe um, richtet jede mal ein Treffen aus. Diesmal war ich an der Reihe, bzw. habe ich mich freiwillig gemeldet. Es war ein wirklich toller Vormittag, obwohl ich erst nicht aufstehen wollte. Jede der Frauen hat etwas mitgebracht, sodass wir ein richtig üppiges Frühstück hatten. Und wir haben es nicht geschafft, alles aufzuessen. Nach und nach lerne ich hier so immer mehr Leute kennen und komme immer mehr an. Eine aus unserer Runde hat erzählt, dass sie Kurse an der Uni gibt. Aber auch da ist wohl noch nicht alles in trockenen Tüchern mit der Anmeldung. Ich sehe also immer wieder, dass es nicht nur mir so geht oder gegangen ist.


Der erste Unfall

Denny fährt seit dem es wärmer wird mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich habe also oft das Auto um unterwegs zu sein. Die Woche wollte ich erst zum Stoffmarkt fahren um für die Terrasse noch etwas zu besorgen und danach zum Pflanzenmarkt ein paar Blumen holen. Da es hier ja immer gleich ganze Straßenabschnitte oder Märkte gibt, wo sich die einzelnen Anbieter versammeln, hat man fast nie alles an einem Ort. Man muss halt immer ein Stück fahren.

Am Mittwoch ist mir dann eine Chinesin ins Auto gefahren. Nicht schlimm, eigentlich nur ein Lackschaden, aber da es ja ein Leasingwagen ist, mussten wir den vorgesehenen Prozess einhalten.

Leasingfirma anrufen, Versicherung anrufen – warten auf Rückmeldung, das Auto nicht bewegen. Die Leasingfirma oder die Versicherung trifft dann die Entscheidung, ob die Polizei gerufen wird (so habe ich das jedenfalls verstanden). Die Polizei wurde nicht gerufen, dafür sollte ein Mitarbeiter der Versicherung oder der Leasingfirma sich auf den Weg machen um den Schaden direkt vor Ort zu begutachten. Nach 2,5 Stunden Wartezeit habe ich dann von Denny einen Anruf bekommen, dass ich weiter fahren könne, ohne dass ein Sachverständiger da war. Wie genau das jetzt im Hintergrund abgelaufen ist, kann ich nicht sagen, aber meine Tagesplanung war damit komplett über den Haufen geworfen worden.

Aber was genau war jetzt eigentlich passiert?

Ich wollte aus einer schmalen Straße raus fahren. Die Chinesin wollte in die Straße ein fahren. Da die wenigsten hier warten wollen, auch nicht beim Aufzug (erst raus, dann rein) ist sie in die Straße eingebogen. Ich bin stehen geblieben, konnte weder vor noch zur Seite fahren, weil ich schon am Rand stand. Sie ist immer noch weitergefahren. Geistesgegenwärtig habe ich die Spiegel eingeklappt, sonst hätte es die wohl auch erwischt. Da sie immer noch weiterfuhr, hat es dann den hinteren Radkasten auf der Fahrerseite getroffen. Erst dann ist sie stehen blieben. Es dauerte weitere 2 Minuten, bis sie verstanden hatte, dass sie nun wirklich zurück fahren muss. An sich wäre die Straße breit genug gewesen um aneinander vorbei zu fahren, im SUV ist aber die Übersicht nicht so dolle. Wie auch immer, Lackschaden.


Kiten und Beach Clean Up

Am Samstag waren wir mit Bekannten am Kiteclub. Schon vorher haben wir in die WeChat-Gruppe geschrieben, dass wir am Samstag dort sein werden und einen Beach Clean Up planen und uns über rege Beteiligung freuen. Ist der See zwar ein Reservoir und einige Ufer sind als Naturschutzgebiet deklariert, so schwimmt dennoch eine Menge Müll im Wasser und wird angespült. Barfuß am Strand laufen ist nicht drin und mit kleinen Kindern im Sand buddeln? Fehlanzeige. Solange man sich nicht zwischen Latschen, Angelhaken, Plasteflaschen, Styroporplatten und toten Fischen wohlfühlt, macht ein Strandtag hier nicht viel Spaß. Die Rückmeldungen auf unseren Aufruf blieben leider aus. Woran das liegt, da kann ich nur vermuten und ich möchte unseren chinesischen Bekannten nicht unterstellen, dass sie es unwichtig finden. Möglicherweise haben sie die Nachricht einfach nicht übersetzen können. Wir haben jedenfalls eine Tonne voll Müll auf dem Geländen vom Kiteclub, eine halbe Tonne Müll an einem Strandabschnitt und eine Tonne voll Stinkefisch gesammelt.

Oben auf dem Gelände sieht es jetzt schon ganz gut aus, unten am Strand ist es eine Sisyphusarbeit. Hier werden wir wohl nochmal ranmüssen, und insbesondere Versuchen auch die chinesischen Sportler zu gleichem zu animieren. Dauernd wird halt toter Fisch und anderer Dreck angespült. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Denny hat mit dem Foil die nördliche Hälfte des Sees vermessen und ich bin auch am späten Nachmittag nochmal raus. Allerdings im langen Neo, trotz warmen 27° Grad. Ich habe mich so vor dem Wasser geekelt, und vorne am Strand stank es wirklich unglaublich nach altem Fisch. Da ist mir ja fast das Steinhuder Meer lieber. Wir sind uns nicht sicher, ob das noch die Restfische vom harten Winter sind, die Wasserqualität nicht gut ist oder ob einfach zu viele Fische eingesetzt wurden. Fest steht aber, dass der See halt einfach riesig groß ist und es da viele Fische gibt. Bei entsprechender Windrichtung treibt halt alles in eine Ecke…. Jubel über geglückte Sprünge habe ich mir auf dem Wasser aber verkniffen, damit ich kein Wasser in den Mund bekomme.


Mein Gartenprojekt

Inzwischen ist hier wirklich der Sommer angekommen, Die ganze Woche hatten wir schon Temperaturen jenseits von 25° Grad. Auch morgens vor 9 Uhr brennt die Sonne schon dermaßen, dass man sich auf der Terrasse ein Tuch über nackte Beine legen muss. Mein Terrassenprojekt ist inzwischen fast abgeschlossen, es fehlen nur noch ein paar Details aber ich bin schon sehr zufrieden. Kleiner Zwischenstand gefällig?



Mein Geburtstagsgeschenk an mich

Heute habe ich Geburtstag. Am Nachmittag werden ein paar Gäste kommen und es gibt Kuchen. Bis dahin ist noch ein bisschen was zu tun, aber ich freue mich schon darauf. Heute morgen habe ich den bisher tollsten Blumenstraus meines Lebens von Denny geschenkt bekommen.


In den letzten Wochen habe ich an einem Geschenk für selbst gearbeitet.

Ab sofort könnt ihr uns nicht nur mit dem Lesen und verteilen von unserem Blog unterstützen. In meinen Überlegungen, wie ich hier arbeiten könnte, unter welchen Voraussetzungen ich mich hier selbstständig machen könnte (die sind im Übrigen unerfüllbar…) hatte ich bisher „kreative Arbeit“ nicht berücksichtigt. Obwohl ich das ja eigentlich mit meinem Blog schon die ganze Zeit mache. Aber Wald und Bäume… ihr kennt das ja.

Hier auf der Seite findet ihr also ab sofort unseren (Speadshirt-)Shop. Wir würden uns also freuen, wenn ihr hier etwas findet, dass euch gefällt. Habt ihr noch Ideen für ein neues Design? Immer her damit.



Und weitere kurze Updates:

  • Unsere Wohnung ist immer noch nicht vermietet. Wenn ihr also jemanden kennt, der auf Zeit in Stöckheim wohnen möchte. Meldet euch bei uns.

  • Unser erstes Paket von Deutschland zu uns ist Dank meiner Mama Ute und meinem Bruder André auf dem Weg zu uns. Wir werden berichten, wie lange es gedauert hat, ob es überhaupt ankommt und in welchem Zustand es sich dann befand ;)

  • In der nächsten Zeit wird es hier auf der Internetseite weitere Änderungen geben, lasst euch einfach überraschen.


Wir denken oft an zu Hause und drücken euch aus der Ferne,

Anja & Denny


113 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen